Kunstsammlung der Familie Koch

Emil Nolde: Klatschmohn, undatiert. Ölgemälde, 40 x 35 cm.
Georg und Lotte Koch, 1930. © Familie Friedländer
Georg und Lotte Koch, 1930. © Familie Friedländer

Rekonstruktion der Kunstsammlung von Lotte und Georg Koch, Wiesbaden

Provenienzforschungsprojekt in Kooperation mit den Enkeln von Lotte und Georg Koch, finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste



Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, die Kunstsammlung des Wiesbadener Kinderarztes Georg Koch und seiner Frau Lotte, geborene Seeligmann, zu rekonstruieren. Dr. Georg Koch wurde 1880 in Mainz als Sohn des Weinhändlers Moritz II Koch und seiner Frau Sophie Levy geboren. Nach seiner Teilnahme als Soldat im Ersten Weltkrieg arbeitete Georg Koch als Arzt bei der Städtischen Mütterberatungsstelle und Säuglings-Milchanstalt in Wiesbaden. 1919 heiratete er die aus Karlsruhe stammende Anna Lotte Seeligmann (1896-1964). Sie war die Tochter des Rechtsanwalts Arnold Seeligmann und seiner Frau Rosalie Mayer.

Lotte und Georg Koch erwarben Kunstwerke u.a. von Alexej Jawlensky, Emil Nolde und Christian Rohlfs. Außerdem besaßen sie Gemälde flämischer und holländischer Künstler, die allerdings nicht detailliert beschrieben sind. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Familie Koch als Juden verfolgt. Georg Koch starb im Mai 1933. Seine Kinder Eleonore und Herbert emigrierten Ende 1938, seine Witwe Mitte 1939 nach London, wo sie als Haushaltshilfe tätig war.

Teile der Kunstsammlung von Lotte und Georg Koch waren 1939 als Umzugsgut (auch als Lift bekannt) verpackt und im Hamburger Hafen gelagert worden. Dort verbrannte das Umzugsgut angeblich durch Bombenangriffe. Höchstwahrscheinlich wurde das Umzugsgut aber durch die Gestapo versteigert, denn in den 1980er Jahren tauchte ein Kunstwerk von Emil Nolde in einer norddeutschen Privatsammlung auf und wurde ca. 1996 bei der Kunsthandlung Salis & Vertis in Salzburg, Österreich verkauft. Weitere Kunstgegenstände, die auf der Umzugsliste dokumentiert sind, waren Porzellan, Zinn und Fayencen, Stahl -und Kupferstiche, handgemalte Miniaturen und eine holzgeschnitzte Madonna.

Ein Schwerpunkt des Projektes zielt deshalb auf Forschungen zum Verbleib des Umzugsgutes. Zudem sollen präzise Angaben zu den Kunstwerken der Sammlung von Georg und Lotte Koch recherchiert werden und insbesondere die Sammlung der nicht näher beschriebenen Gemälde flämischer und holländischer Maler rekonstruiert werden. Möglicherweise stammen sie aus der Sammlung des Großvaters von Lotte Koch, Bernhard Albert Mayer (1842-1903), der eine Sammlung von Kunstwerken holländischer Malerei des 17. Jahrhunderts besaß und die wahrscheinlich aus dessen Nachlass am 25. Juni 1934 bei Paul Graupe in Berlin in 47 Losen versteigert wurde.

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