Sammlung David Leder, Chemnitz/Berlin

Max Liebermann: Staudenbeet in des Künstlers Garten in Wannsee, um 1922, Pastell. Auktion Amsler und Ruthardt Berlin, 25. Oktober 1925, Los 162.
David und Lola Leder mit Cousin Carl Leder und Erich Goeritz, undatiert. © Jüdische Gemeinde Chemnitz, Sammlung Lee Leder.
Otto Th. W. Stein: Portrait David Leder, undatiert, Ölgemälde. Der Querschnitt / 2.1922, [H. 3], Weihnachtsheft, "Aus Austellungen der Galerie Flechtheim". https://www.arthistoricum.net/werkansicht/dlf/73129/24#

Rekonstruktion der Kunstsammlung von David Leder, Chemnitz/Berlin

Provenienzforschungsprojekt in Kooperation mit Frau Dr. Bettina Leder, finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste



David Leder (1888-1947) war als Kaufmann in der Textilindustrie erst in Chemnitz, später in Berlin tätig und sammelte ab den 1910er Jahren Malerei und Grafik.

Er war mit Emil Orlik, Otto Th. W. Stein, Max Liebermann und Lovis Corinth befreundet; Liebermann und Corinth haben ihn und seine Frau Lola mehrfach portraitiert, ihre Werke waren in Leders Sammlung zahlreich vorhanden. Weitere mit ihren Werken in der Sammlung vertretene Künstler waren Paul Cézanne, Albrecht Dürer, Karl Hofer, Edvard Munch, Will Nowak, Rembrandt, Henri de Toulouse-Lautrec, Lesser Ury und Maurice de Vlaminck. Die Sammlung umfasste bis 1925 ca. 600 Kunstwerke.

David Leder kam 1889 als einjähriges Kind mit seinen Eltern und Geschwistern aus dem rumänischen Jassy nach Chemnitz. Nach dem Besuch des Gymnasiums erlernte David Leder in der Firma seines Vaters Leon Leder, die mit Strümpfen und Handschuhen handelte, den Kaufmannsberuf. 1910 erhielt er in der Firma seines Schwagers Prokura. 1914 gründete David Leder in Chemnitz eine Großhandlungsfirma und heiratete Lea Laura, genannt Lola, Bernstein.

Mit Kriegseintritt Rumäniens im August 1916 wurde David Leder mit seinen Brüdern und seinem Vater in Holzminden im Herzogtum Braunschweig interniert.

1920 ging David Leder mit seiner Frau und den drei unterdessen geborenen Kindern, Rudolf, Alfred und Ruth, nach Berlin. Dorthin war auch sein enger Freund Erich Goeritz mit seiner Familie gezogen. Erich Goeritz‘ Vater hatte das Textilunternehmen Sigmund Goeritz AG in Chemnitz gegründet, das zum Marktführer bei Unterwäsche aufgestiegen war.

1921 gründete David Leder in Berlin ein Unternehmen für den Groß- und Einzelhandel mit Wolle und Baumwolle. 1925 kehrte er mit seiner Familie nach Chemnitz zurück.

1925 lieferte David Leder einen Teil seiner Gemälde- und Graphiksammlung in zwei Versteigerungen bei Cassirer und Helbing und bei Amsler & Ruthardt in Berlin ein. Es wurden nicht alle angebotenen Lose verkauft.

Ab 1928 war David Leder in Berlin u.a. für das Chemnitzer bzw. Berliner Textilunternehmen Sigmund Goeritz AG sowie als Alleinvertreter zahlreicher Firmen für sämtliche Niederlassungen der Firma Woolworth tätig. Um 1930 zog die Familie wieder nach Berlin.

Ab 1933 wurde die Familie Leder durch die Nationalsozialisten als Juden verfolgt. Die Kinder von David und Lola Leder gingen in die Emigration. David Leder wurde im November 1938 in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und blieb inhaftiert. Für seine Entlassung wurde nach Berichten in der Familie eine Art Lösegeld bezahlt. Sein Unternehmen wurde im Februar 1939 im Handelsregister gelöscht. 1939 gelang es ihm zusammen mit seiner Frau Lola, Deutschland zu verlassen und über Basel und Paris nach London zu emigrieren.

In Berlin blieb das eingelagerte Umzugsgut, darunter auch Kunstwerke, zurück. Es wurde 1942 von der Gestapo beschlagnahmt und 1944 in einem Depot der Vermögensverwertungsstelle in Berlin abgeliefert. Nach Kriegsende war es nicht mehr auffindbar.

David Leder konnte in London an seine frühere Tätigkeit nicht anknüpfen. Er bekam zunächst keine Arbeitserlaubnis und begann 1940 eine Ausbildung zum Dreher, die er aufgrund eines Arbeitsunfalls, der den Verlust eines Fingers zur Folge hatte, abbrach. Danach war er bei der Feuerwache im Luftschutz beschäftigt. Er starb am 1. März 1947 mit 58 Jahren in einem Londoner Krankenhaus.

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