Rekonstruktion der Kunstsammlung von Dr. Walter Blank, Köln

Dr. Walter Blank, undatiert. © Klaus Blank
Haus der Familie Blank in Köln, Lohrbergstraße 27, undatiert. © Klaus Blank

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Rekonstruktion der Kunstsammlung von Dr. Walter Blank, Köln

Provenienzforschungsprojekt in Kooperation mit Herrn Klaus Blank, finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste



Das Forschungsprojekt begann am 1. Juni 2024 und endete am 31. Mai 2025. Es hatte zum Ziel, die Kunstsammlung von Walter Blank zu rekonstruieren, die Verlustumstände zu dokumentieren und den Verbleib der Kunstwerke zu ermitteln.

Ein wesentlicher Bestandteil der Forschung war die Ermittlung der Dokumente zur Zwangsversteigerung des Hauses der Familie Blank. Dazu mussten die Zwangsverwaltung und die Versteigerung des Hauses und zum Verbleib der Inneneinrichtung nebst Kunstgegenständen und des weiteren Vermögens von Walter Blank recherchiert werden.

Im Fokus stand ebenso die Erforschung des Zusammenhangs zwischen Verfolgung ab 1933 und dem Verbleib der Kunstsammlung wie auch die Beziehungen des kunstsinnigen Walter Blank zu Persönlichkeiten wie Dr. Josef Haubrich, sein Engagement in Kölner Künstlerkreisen wie den „Kölner Progressiven“ sowie seine Mitgliedschaft im Kölnischen Kunstverein.

Zusätzlich sollte die Rolle der Kölner Sparkasse als Zwangsverwalterin des Hauses in der Lohrbergstraße 27 und als Verwertungsbeauftragte des Inventars untersucht werden.

Der Erwerb und der Verlust der Kunstwerke können nur durch Quellen aus der Zeit nach 1945 dokumentiert werden. In der Literatur sind nur einige der nach 1945 noch im Eigentum der Söhne Walter Blanks befindlichen Kunstwerke dokumentiert. Aufgrund fehlender visueller Dokumentationen bzw. vager Titelangaben konnten die verlorenen Kunstwerke nicht identifiziert oder lokalisiert werden. Diese Lücken in der Überlieferung sind maßgeblich durch die Flucht und Verfolgung der Familie entstanden, andere auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs zurückzuführen. Zudem sind relevante Aktenbestände, etwa die der Devisenstelle für das Rheinland, nicht überliefert. Für Westfalen, wo die die Brüder Walter Blanks und die Familie seiner Schwägerin lebten, sind diese ebenfalls nicht vorhanden.

Von den mit Walter Blank befreundeten Künstlern sind keine Nachlässe erhalten, die überlieferten Akten wurden ergebnislos geprüft. Die einzigen verlässlichen Hinweise stammen aus den Akten der Wiedergutmachungsämter bzw. aus den Erinnerungen der Söhne von Walter Blank.

Somit konzentrierte sich die intensive Recherche auf eine Identifikation der 14 in den Wiedergutmachungs- und Entschädigungsakten beschriebenen Kunstwerken. Die sechs nach 1945 an die beiden Söhne Walter Blanks zurückgegebenen Gemälde sind identifizierbar.

Der 1889 in Hörde, Westfalen, geborene Walter Blank schloss sein Medizinstudium 1914 in Bonn mit einer Promotion ab und wurde im Ersten Weltkrieg als Oberstabsarzt an die Westfront einberufen. Er heiratete Martha Herzstein, die 1891 in Witten geboren worden war. Nach Kriegsende 1918 lebte das Ehepaar in Köln, wo sich Walter Blank mit einer Privatpraxis etablierte und später als Leiter der Röntgenabteilung des Jüdischen Krankenhauses im Stadtteil Ehrenfeld als Internist und Facharzt für Radiologie arbeitete.

Martha und Walter Blank interessierten sich für moderne Kunst und engagierten sich politisch in der Weimarer Republik. Walter Blank war Mitglied im Kölnischen Kunstverein. Das Ehepaar baute eine Kunstsammlung auf, zu der Werke von Max Pechstein, Marc Chagall, Frans Masereel, Maurice de Vlaminck, Karl Hofer und Ernst Barlach gehörten. Martha Blank starb nach einer Krankheit 1935 in Köln.

Dr. Walter Blank führte in Köln eine Praxis am Hohenzollernring 46, die er spätestens Anfang 1936 in sein Privathaus in der Lohrbergstraße verlegen musste. Nachdem ein Bekannter, der im Kölner Polizeipräsidium arbeitete, ihn vor seiner unmittelbar bevorstehenden Verhaftung gewarnt hatte, floh er am 10. April 1936 unter Zurücklassung seines Hausrats und seiner Kunstsammlung mit seinen beiden Söhnen im letzten Augenblick aus Deutschland. Es gibt keinerlei Hinweise auf bei Speditionen eingelagertes Umzugsgut oder andere Aufbewahrungsorte. Der Immobilienmakler Berthold Hallenstein besaß die Schlüssel zum Haus. Im Juni 1936 beschlagnahmten die Hypothekengläubiger einige Möbel und Bücher. Die Möbel wurden anschließend versteigert, die Bücher der Gestapo übergeben, die gegen Walter Blank ermittelte. Gegen ihn lag auch ein Haftbefehl vor. Diese Ermittlung fand im Rahmen eines groß angelegten Strafverfahrens gegen die Funktionäre der illegalen Leitung der Kölner KPD statt. Einer der Hauptangeklagten, Otto Kropp, war von Walter Blank ärztlich behandelt worden. Kropp, der unter Folter aussagte, wurde vom Volksgerichtshof wegen Hochverrats verurteilt und 1937 hingerichtet.

Das Haus von Walter Blank in Köln stand im Herbst 1936 leer. Wohin die Einrichtungsgegenstände und Kunstwerke gelangten, konnte nicht geklärt werden. Das Haus unterstand zunächst ab Januar 1937 der Zwangsverwaltung, wurde im März 1938 zwangsversteigert und der Stadt Köln, der Hypothekengläubigerin, zugeschlagen. Bereits zuvor hatte die Kölner Sparkasse, die ebenfalls Hypothekengläubigerin war, das Haus vermietet.

Walter Blank befand sich mit seinen Söhnen in Antwerpen und verließ Belgien, um im Spanischen Bürgerkrieg die Freiwilligen der Internationalen Brigaden medizinisch zu versorgen. Er starb 1938 in der Nähe von Barcelona.

 

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