Kunstsammlung Herbert M. Gutmanns

Auction Catalog, Paul Graupe, Berlin.
The Death of Pappenheim by Hans Makart.
Herbertshof, Potsdam, 1931.
Series of four large tapestries depicting scenes from the legend of Heracles, 1750. Now at the Royal Museums of Fine Arts of Belgium.

Provenienzforschung zur Kunstsammlung Herbert M. Gutmanns

Herbert M. Gutmann (1879-1942) sammelte Gemälde – insbesondere aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Möbel, syrisches Glas, Porzellan, Silber, Skulpturen, Textilien, Bücher sowie ostasiatische und islamische Kunstgegenstände.

Facts & Files wurde von der Familie Herbert M. Gutmanns beauftragt, Nachforschungen zur Provenienz und zum Verbleib von Kunstwerken aus der Sammlung Herbert M. Gutmann anzustellen.

Seine Villa in Potsdam, Herbertshof, wurde für die Ausstellung seiner Sammlung umgebaut. Mehrere Fotografien, die um 1930 in Herbertshof aufgenommen wurden, sowie der Katalog der Auktion bei Paul Graupe vermitteln einen Eindruck von seinem Kunstbesitz im Jahr 1934. Die Sammlung spiegelte seine vielfältigen geschäftlichen und kulturellen Interessen wider. Es handelte sich um eine sehr persönliche Sammlung, die die starke Verbundenheit der Familie mit der Stadt Dresden und dem Königreich Sachsen zum Ausdruck brachte. So waren beispielsweise Pietro Rotaris berühmte „varie teste“ Attraktionen am russischen und sächsischen Hof. Gutmanns Rotari-Porträts, die aus der sächsischen Königlichen Sammlung erworben wurden, waren für die Ausschmückung des Schlosses Pillnitz gemalt worden.

Herbert M. Gutmann war fasziniert von der orientalischen Kultur, von persischer, arabischer und osmanischer Keramik sowie von chinesischem Porzellan. Er war Berater der Abteilung für Islamische Kunst im Kaiser-Wilhelm-Museum in Berlin und hatte diesem Museum einige Stücke geschenkt. Friedrich Sarre war Berater von Herbert M. Gutmann für die Sammlung islamischer Objekte.

Die „Internationale Ausstellung persischer Kunst” in London wurde von Arthur U. Pope initiiert und organisiert. Der amerikanische Kunsthistoriker war in Europa sehr gut vernetzt und versorgte private Sammler mit Orientteppichen und islamischen Objekten. Als Berater der persischen Regierung beim Aufbau eines Nationalmuseums gelang es ihm, die Ausstellung unter die Schirmherrschaft des englischen Königs und des persischen Schahs zu stellen. Die Ausstellung wurde 1931 eröffnet und galt als großer Erfolg. Herbert M. Gutmann – auch in seiner Funktion als Präsident der Persisch-Deutschen Gesellschaft – leitete das deutsche Vorbereitungskomitee für die Ausstellung und stellte sieben Objekte zur Verfügung.

Seinem Herrenhaus wurde eine spezielle Galerie hinzugefügt, um das „Arabicum“, eine syrische Boiserie aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus sammelte Herbert M. Gutmann schottische und englische Porträts.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahr 1933 wurde Gutmann aufgrund seiner jüdischen Abstammung und seiner politischen Haltung in der Weimarer Republik verfolgt. Herbert M. Gutmann verlor seine Aufsichtsratsmandate und damit auch teilweise sein Einkommen, musste Anteile an Unternehmen verkaufen und durfte nur noch eingeschränkt in Deutschland arbeiten.

Aus diesen Gründen war er gezwungen, seine Kunstsammlung im Auktionshaus Paul Graupe in Berlin zu versteigern. Im Februar 1934 beauftragte Gutmann Paul Graupe mit der Versteigerung seiner Sammlung, die vom 12. bis 14. April 1934 stattfand. Die Versteigerung der Kunstsammlung im Jahr 1934 kann unter den oben genannten Umständen als verfolgungsbedingt charakterisiert werden.

147 Objekte islamischer Kunst, die bei der Auktion angeboten wurden, wurden vom Kurator Kurt Erdmann für den Katalog beschrieben.

21 Objekte wurden bei dieser Auktion vom dänischen Anwalt Christian Ludvig Julian David aus der Sammlung Gutmann erworben und bildeten damit den Grundstock für den Aufbau seiner Sammlung islamischer Keramik. Die bei der Auktion 1934 erworbenen Stücke befinden sich noch heute in der C.L. David Collection Museum in Kopenhagen.

Drei Objekte (eine Lampe, zwei Fayencestücke und wahrscheinlich ein Schild) wurden im Oktober 1934 von Kurt Erdmann bei einer Auktion des Internationalen Kunst- und Auktionshauses in Berlin erworben und befinden sich noch immer in der Sammlung des Museums für Islamische Kunst in Berlin.

Mehrere Objekte aus der Sammlung Gutmann tauchten in Stuttgart auf, als sie am 12. Oktober 1962 vom Auktionshaus Dr. Fritz Nagel als „aus einer schlesischen Sammlung” versteigert wurden.

Das Wien Museum hat am 31. März 2009 den Enkeln des deutschen Bankiers Herbert M. Gutmann (1879-1942) das Gemälde „Pappenheims Tod“ von Hans Makart übergeben, dessen unentgeltliche Übertragung vom Gemeinderat am 25. Juni 2008 einstimmig beschlossen worden war.

2010 gab der Deutsche Bundestag ein Gemälde Lenbachs mit einem Portrait Bismarcks zurück.

2019 entschied die niederländische Adviescommissie Restitutieverzoeken, 14 Meissner Porzellanobjekte an die Familie Herbert M. Gutmanns zu restituieren.

DAS PROJEKT IN DEN MEDIEN

RBB „Kontraste“ 12. November 2009 21:45 Uhr Raubkunst im Bundestag – Hinterbliebene erhalten Bild zurück

Dolumentation"Roofkunst & Restitutie"

Die Kunstsammlung von Herbert M. Gutmann wurde in einer Dokumentation, produziert vom Niederländischen Restitutionskomitee, thematisiert. https://youtu.be/xgMMykOlRsU

AUSSTELLUNG VON OBJEKTEN IM PALEIS HET LOO BIS 9. NOVEMBER 2025

Das niederländische Museum Paleis Het Loo zeigt momentan eine Ausstellung mit Meissener Porzellanobjekten aus der Sammlung von Herbert M. Gutmann. Außerdem werden 17 Objekte, die nach der Rückgabe an die Familie Gutmann vom Paleis Het Loo erworben wurden, online gezeigt.

Ansprechpartner

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Beate Schreiber
FaCTS & FILES
T: +49 (0)30 / 480 986 20
schreiber@factsandfiles.com
Lokapala, China. From the Collection of Herbert M. Gutmann. 1934.

Links

Provenienzforschungsprojekt zu außereuropäischen Objekten in der Sammlung von Herbert M. Gutmann

Das Projekt begann am 1. Februar 2023 und wurde am 31. Januar 2024 abgeschlossen. Es wurde vom Deutschen Zentrum für Kulturverluste finanziert. Das Projekt untersuchte Objekte außereuropäischer Herkunft, vor allem ostasiatische Objekte sowie Objekte aus Persien, Syrien, dem Kaukasus, der Türkei und Turkestan. Die Sammlung Gutmann umfasste neben chinesischem Porzellan auch Rollbilder, chinesische Bronzen, Steingut, Tonobjekte, hölzerne Wandpaneele aus Japan, japanisches Imari-Porzellan, türkische Textilien, persische Krüge und Ray- und Minai-Schalen. Ausgewertet wurden vor allem Quellen von Institutionen, die entweder heute Objekte aus der Sammlung Gutmann besitzen, die an Ausstellungen beteiligt waren, an die Gutmann Objekte ausgeliehen hatte oder von denen diese Objekte erworben wurden. Gleichzeitig wurden die Akten von Institutionen ausgewertet, in denen zwischen 1920 und 1950 Forschungen zu außereuropäischen Objekten durchgeführt wurden. Dieser Forschungsansatz konzentrierte sich somit auf Quellen, die chronologisch und thematisch im Zusammenhang mit dem Erwerb oder der Zugehörigkeit außereuropäischer Objekte aus der Sammlung Gutmann entstanden sind, wie etwa die Korrespondenz zu den Ausstellungen in Berlin 1929 und in London 1931, zu denen Herbert M. Gutmann Objekte ausgeliehen hat. Darüber hinaus wurden Informationen zu den bereits vor Projektbeginn bekannten Käufern von Objekten aus der Sammlung Gutmann recherchiert, wie Carl Hugo Cords, Gustav Pilster und C.L. David.

Publication

2. Juli 2024: Artikel über Quellen in „Retour“ (https://retour.hypotheses.org/3950).