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Ausgewählte Geschichten

Europeana 1914-1918

Europeana 1914-1918-Ausstellung "Wurst und Zigarren zu Weihnachten" online

 

1914 hatte das kleine Dorf Hatzenport, eine Winzergemeinde an den Grenzen der Mosel im Westen Deutschlands, etwa 850 Einwohner. Als der Krieg ausbrach, schlossen sich die meisten Männer der Armee freiwillig an. Diese Ausstellung würdigt Max Kranz und andere Männer aus Hatzenport.

 

 

 


Hitlers Feldpostkarte

Zahnschmerzen und Rechtschreibschwäche.
1916 - Eine Postkarte von Adolf Hitler


Der Vater des Besitzers der Postkarte war lange Jahre Landrat von Dingolfing und passionierter Philatelist. Zu seinem 65. Geburtstag beschenkte ihn der Leiter der Kreissparkasse mit diesem denkwürdigen Sammlerstück. Dabei handelt es sich um eine Feldpostkarte, die der Gefreite Adolf Hitler (1889-1945) an seinen Regimentskameraden Karl Lanzhammer (1896-1918) am 19.12.1916 aus München sandte. Karl Lanzhammer war zu diesem Zeitpunkt Radfahrer beim Regimentsstab des 16. Bayrischen Reserve Infanterie Regiment. 1917 ging er zur Fliegerschule nach Schleißheim und verunglückte am 15. März 1918 bei einem Trainingsflug in Feldmoching tödlich. Lanzhammer stammte aus Dingolfing und wurde auch dort bestattet. Wahrscheinlich ist die Postkarte aus seinem Nachlass in den Besitz des dortigen Kreissparkassenleiters gekommen, der sie dann verschenkte. 

Adolf Hitler war im Oktober 1916 von einem Granatsplitter verletzt worden und kam deshalb ins Lazarett nach Beelitz bei Berlin. Im Dezember 1916, als er diese Postkarte schrieb, war er gerade aus dem Lazarett entlassen worden und nun vorerst beim Ersatzbataillon in München stationiert. Der Inhalt der Postkarte ist wenig spektakulär. Er teilte Lanzhammer mit, dass er nun beim Ersatzbataillon in München sei, unter zahnärztlicher Behandlung stehe und sich aber so bald wie möglich wieder freiwillig ins Feld melden würde. In der Tat ging er auf Anforderung im März 1917 wieder zu seinem 16. Reserve Infanterie Regiment als Meldegänger zurück. In dem kurzen Text offenbarte Hitler noch eine Rechtschreibschwäche, indem er „sofort“ mit „ff“ schrieb.

Hitlers Feldpostkarte

 

"Lieber Lanzhammer
Bin nun in München beim Ersatz Btl. Stehe zur Zeit in zahnärztlicher Behandlung. Melde mich übrigens soffort freiwillig ins Feld.
Hrzl. Grüße A. Hitler
"

Poststempel: München 31, 19. Dez. 16, V 8-9 a
Briefstempel: K.B. 2. Inf. Rgt., Ers. Btl., 4. Ers. Komp.
Adressat: Karl Lanzhammer Radfahrer b. Rgt. Stab, VI Bayr. Res. I. Division, 16 Bayr. Res. I. Rgt., Rgt. Stab
Abs. Gefr. Adolf Hitler I. Ersatz Btl. II. I. Rgt., IV Ersatzkomp. München

 


 

Die Authentizität der Postkarte wurde von dem Unterschriftenexperten Ian Sayer bestätigt, der das Imperial War Museum berät, sowie von Dr. Thomas Weber, einem deutschen Experten für den Ersten Weltkrieg, der an der University of Aberdeen lehrt und Autor des Buches „Hitlers Erster Krieg“ ist. Zusätzliche Recherchen führte Frank Drauschke, vom Berliner historischen Forschungsinstituts, Facts & Files durch.  

 

Die Granatenbibel

Die Bibel meines Vaters rettete sein Leben
 

Wo auch immer Kurt Geiler war – seine Bibel trug der fromme Christ stets bei sich. 1917 zahlte sich sein tiefer Glaube aus, denn das wertvolle, in Leder gebundene Buch rettete ihm das Leben. Während der nicht enden wollenden Stellungskämpfe im Nordosten Frankreichs schlief der deutsche Infanterist wie immer mit der Bibel unter seinem Kopf. Plötzlich zerstörte eine Granate den Unterstand fast vollständig, verwundete und tötete viele seiner Kameraden. Geiler konnte sich unverletzt aus den Trümmern retten. Später fand er seine Bibel wieder und zu seinem Erstaunen entdeckte er, dass er dieser sein Leben verdankte. 

Sein Sohn, Professor Gottfried Geiler aus Leipzig, erläutert die Geschichte: „Ein etwa 4 cm großer Granatsplitter zerfetzte die Bibel unter seinem Kopf, durchschlug sie aber nicht völlig, so dass mein Vater unverletzt am Leben blieb. Die Bibel, ein kostbares, in der Familie aufbewahrtes Erinnerungsstück, war sehr real seine Rettung zum Leben gewesen.“ 

Die Granatenbibel © Markus Geiler


Geilers Enkel Markus Geiler meint, dass die Bibel in der Familie als Antikriegsmahnmal angesehen wird. Er erinnert sich: „Dann führte mein Vater mich an diesen Bücherschrank, öffnete ihn und holte diese Bibel heraus, die damals noch in dickes Papier eingepackt war, und sagte schau mal das hat deinem Großvater mal das Leben gerettet usw. und es war ein Horror. Das ist im Grunde ein familiäres Antikriegsmahnmal und so verstehen wir das auch.“ 

 

Die große Liebe

Kriegsgefangener findet die Liebe seines Lebens


Opfer eines Gasangriffs, angeschossen und Kriegsgefangener in Deutschland: Das Letzte, was der irische Soldat Joseph Heapes erwartete, war, dass er im Krieg auch die Liebe seines Lebens finden würde. 

Der 1887 geborene Heapes hatte zwischen 1906 und 1913 bereits in Indien und Burma bei den Royal Irish Rifles gedient. 

Aber bei Kriegsausbruch im Jahre 1914 wurde er erneut einberufen und nach Kontinentaleuropa beordert, wo er verwundet, gefangen genommen und fortan in einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Limburg festgehalten wurde.

Noch während seiner Gefangenschaft nahm sein Leben eine völlig neue Wendung. Er schrieb Briefe an seine Schwester Theresa, die als Hausmädchen in Killiney, Dublin arbeitete. Sie ermutigte andere junge Frauen, die ebenfalls in Dienst standen, an die Kriegsgefangenen zu schreiben, um diese moralisch zu unterstützen. Eine von ihnen war Mary Fearon, eine Köchin aus Dundalk.

Sie schrieb Heapes, und die beiden wurden schnell Brieffreunde. Viele Briefe und Fotos wurden ausgetauscht, bis Heapes 1919 schließlich nach Irland zurückkehrte.

Nach den Worten von Heapes Schwiegertochter Máire Uí Éafa – die Briefe, einen Pass und Orden zum Aktionstag in Dublin beitrug – fand Mary ganz offensichtlich Gefallen an ihm, denn das Paar heiratete im Jahre 1921 und bekam in den folgenden Jahren einen Sohn und zwei Töchter.

Paß von Joseph Hapes © Máire Uí Éafa

 

Das Kreuz in der Flasche

Der Augenzeugenbericht eines 100-jährigen


Der 100-jährige Slavko Zupan trug ein ungewöhnliches Erinnerungsstück bei; eine geschnitzte reich dekorierte Kreuzdarstellung in einer Flasche, geschaffen von einem russischen Kriegsgefangenen in Slowenien. 

Viele russische Kriegsgefangene, die an der galizischen Front in Gefangenschaft kamen, wurden von Österreich-Ungarn zum Bau von Straßen, Schmalspurbahnen, Unterkünften, Militärdepots und Schützengräben eingesetzt. Sie litten unter den schweren Bedingungen und viele starben an Infektionen, Erschöpfung, schwerer Unterernährung oder bei Arbeitsunfällen.

Der Gefangene, der die Flasche herstellte, hatte vermutlich das Glück, auf Bauernhöfen im Vipava-Tal zu arbeiten. Die Gefangene schufen oft Kunsthandwerk, Ringe und Armbänder aus Kupfer und Eisen, die sie dann gegen ein Stück Brot oder Zigaretten eintauschen konnten.

Slavko Zupan sagte, dass seine Verwandte, Rozina Pahor, die ein Restaurant in Prvačina besaß, die Flasche von einem dieser russischen Kriegsgefangenen im Jahr 1916 gekauft hat. Er hatte die Kreuzdarstellung aus Holz geschnitzt mit allerlei Symbolen kunstvoll in die Flasche montiert. Zupan, der während des Ersten Weltkrieges in Ljubljana lebte, sagte, er könnte sich erinnern, wie er Züge mit Kriegsgefangenen von der Front eintreffen sah. Das an ein Flaschenschiff ähnelnde Kunstwerk wird noch heute im Haus seiner Familie aufbewahrt. 

Das Kreuz in der Flasche © Slavko Zupan

 

Gerettet!

Gerettet nach zwei quälenden Tagen


Alliierte Soldaten retteten einen britischen Soldaten, dessen beide Beine durchschossen, für tot gehalten und zurückgelassen worden war. 

John Stafford war nur etwa 18 Meter von den Deutschen entfernt, als er während der groß angelegten Offensive an der Somme 1916 verwundet wurde, bei der 420 000 britische Soldaten ihr Leben verloren oder verwundet wurden, davon 60 000 allein am ersten Tag. 

Seine Tochter Joan Almond, 85, aus Preston erzählte auf dem Aktionstag, dass ihr Vater gestorben wäre, hätten ihn die alliierten Soldaten nicht nach zwei Tagen gefunden. „Obwohl er immer wieder bewusstlos wurde, konnten sie ihn durch das “Tal des Todes”, wie sie es nannten, zurückbringen, so dass er medizinisch versorgt werden konnte.”, sagte sie. 

“Er war bedeckt mit einem Tuch und auf einem Schildchen, das man ihm anband, schrieb der Arzt „Würmer“. „Glücklicherweise konnten die Ärzte sein Bein trotz der schweren Verwundung retten - auch wenn es am Ende fast 9 cm kürzer war als das andere und er für den Rest seines Lebens einen orthopädischen Schuh tragen musste.” „Weil er durch seine Verletzung nicht wieder an der Front einsetzbar war, wurde er in einer zivilen Einheit des Archivs in Fullwood Kasernen in Preston angestellt.“ 

Aber der Krieg hatte John sehr zugesetzt, so Joan, die zum Aktionstag eine mit Maschine geschriebene Kopie der Kriegserinnerungen ihres Vaters mitbrahcte. „Mein Vater war ein wunderbarer Mann”, sagte sie. „Aber wenn ich zurückblicke, denke ich, dass die Kriegserinnerungen ihn immer wieder eingeholt haben, besonders wenn ich jetzt seinen Bericht lese. Meine Mutter ermutigte ihn, seine Erlebnisse niederzuschreiben, und das scheint eine beruhigende Wirkung auf ihn gehabt zu haben.”   

Während des Zweiten Weltkrieges brauchte die Armee die Fullwood-Kasernen für die Soldaten. Die Zivilbediensteten wurden in anderen Archiven eingesetzt. Für John bedeutete es, dass er während der deutschen Luftangriffe in London arbeiten musste, bevor er dann nach Leicester und Edinburg versetzt wurde. „In meiner frühen Jugend sah ich meinen Vater sehr wenig“, erinnert sich Joan. „Aber später erhielt er die Auszeichnung “Most Excellent Order of the British Empire (MBE)“ für seine Dienste – was uns sehr stolz machte.“

Kriegsbericht von John Stafford © Joan Almond
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