


Rekonstruktion, Verlust und Verbleib der Kunstsammlungen von Abraham und Erich Freundlich sowie Dr. Otto Markus, Düsseldorf
Provenienzforschungsprojekt in Kooperation mit Richard Markus, finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste
Abraham Freundlich (1861-1938) baute in Düsseldorf eine der führenden Firmen zur Herstellung von Kältetechnik auf, die als Maschinenfabrik A. Freundlich GmbH & Co. KG (MAF) mit ihren Technologien über Jahrzehnte die Branche prägte. Sein Sohn Erich (1889-1965) und auch sein Schwiegersohn Dr. Otto Markus (1889-1965) traten in das Unternehmen ein und übernahmen ab 1925 dessen Leitung.
Gegenstand des Forschungsprojekts sind ca. 300 Kunstwerke, sowohl Gemälde als auch grafische Arbeiten und Skulpturen, die von Abraham Freundlich und seiner Familie gesammelt wurden. Abraham Freundlich interessierte sich für Malerei der „Düsseldorfer Schule“, etwa Kunstwerken von Max Clarenbach, Arbeiten von Fritz von Wille, Hugo Mühlig, Fritz Roeber, Theo Champion; er besaß aber auch eine Zeichnung von Rembrandt.
Otto Markus und seine Frau Hildegard Leonie unterstützen die lebendige Kunstszene in Düsseldorf, wurden Mitglieder des Düsseldorfer Künstlervereins „Der Malkasten“ und freundeten sich mit Künstlern an. Zu diesen Freunden gehörten der Maler Hans Kohlschein, der Bildhauer Jupp Rübsam und der Architekt Heinrich Roskotten.
Erich Freundlich sammelte ebenfalls Werke der „Düsseldorfer Schule“, Plastiken von Jupp Rübsam sowie Zeichnungen.
Ab 1933 wurden die Familien Freundlich und Markus als Juden verfolgt. Im März 1936 riefen Erich Freundlich und Otto Markus die Belegschaft der Firma zusammen, um sie darüber zu informieren, dass die Familie gezwungen war, MAF zu einem unangemessen niedrigen Preis an einen „arischen“ Erwerber, den Essener Kaufmann Hermann Helm, der aus dem Krupp-Umfeld stammte, zu verkaufen. Abraham Freundlich starb am 6. Oktober 1938 in Düsseldorf. Am 9. und 10. November 1938 wurden seine Wohnung und die Wohnung seiner Tochter Hildegard und ihres Mannes Otto Markus verwüstet und geplündert. Unter den geplünderten Gegenständen waren – wie Listen aus den Entschädigungs- und Rückerstattungsverfahren belegen – auch Kunstwerke. Das Haus von Abraham Freundlich wurde im Februar 1939 – wie auch die Häuser von Otto Markus und Erich Freundlich – zwangsverkauft.
Die meisten Mitglieder der Familie schafften es, zu emigrieren. Erich Freundlich wanderte mit Sohn und Frau im Sommer 1939 in die USA aus. Das Umzugsgut wurde in Bremen beschlagnahmt. Es bestand aus zwei Liftvans, von denen einer durch einen Bombenangriff zerstört und der andere durch die Gestapo versteigert wurde. In dem Umzugsgut befanden sich neben der Bibliothek Gemälde und Zeichnungen, Teppiche, Möbel, Skulpturen und Fotografien. Es handelte sich im Umzugsgut um ca. 30 Kunstwerke. Aus dem Umzugsgut wurden auf Anordnung der Reichskammer der bildenden Künste drei Kunstwerke entnommen.
Otto Markus emigrierte mit seiner Frau und Kindern nach Großbritannien. Das Umzugsgut seiner Familie wurde im Hafen und Zollager von Antwerpen von der Feldkommandantur 520 der Wehrmacht beschlagnahmt.
Neben einer Rekonstruktion der Sammlungen konzentriert sich das Projekt auf eine Untersuchung des Entzugs der Sammlungen ab 1933 und des Verbleibs der Kunstwerke.
In einer Sonderausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf mit dem Titel „Innovativ, Erfolgreich, Jüdisch“ (1. November 2024 bis Oktober 2025) wurden Informationen zum Wirken von Abraham Freundlich präsentiert.
Ansprechpartner

Beate Schreiber
FaCTS & FILES
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