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Schweriner Volkszeitung, December 28, 2005

Heimlich nach Moskau verschleppt


Schweriner Paul Marckwardt verschwand im April 1951 spurlos

Excerpt in German
 

[...] Der 1. März 1950, der Tag seines Verschwindens, war nasskalt. Paul Marckwardt, der sein Geld als Friseur in einer russischen Kaserne verdiente, fuhr an diesem Mittwoch zur Arbeit. Ob er ahnte, was ihm bevorstand, weiß heute keiner. Eine Bekannte von ihm, Elsa Hoppe, war kurz zuvor plötzlich verschwunden.

"Nach der Arbeit kam Vater nicht nach Hause", berichtet die Tochter Christa Malchow. Sie war damals 16 und ihre Schwester 13 Jahre alt. Mutter und Freunde suchten tagelang - ohne Erfolg. Auch die DDR-Behörden wussten angeblich nicht, wo Marckwardt geblieben war. [...]
Nach seiner Verhaftung an jenem 1. März 1950 wegen angeblicher "konterrevolutionärer Aktivitäten" und "Spionage" verschwand Paul Marckwardt hinter den Kerkermauern am Schweriner Demmlerplatz. [...]

Am 8. September 1951 verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal Marckwardt zusammen mit den Schweriner Schwestern Elsa Hoppe und Erna Waldhauer in einem Geheimprozess am Demmlerplatz wegen angeblicher Spionage zum Tod durch Erschießen. Auch davon, dass die Deliquenten mit einem Zug in das berüchtigte Moskauer Gefängnis Butyrka gebracht wurden, erfuhr niemand. Ein Gnadengesuch lehnte Stalin am 12. November 1951 ab. Zwei Wochen später fand im Keller des Buyrka-Gefängnisses kurz vor Mitternacht die Hinrichtung statt.
Der Tote wurde auf dem Moskauer Friedhof Donskoje verbrannt. Seine Asche streuten die Henker in ein Massengrab neben dem Krematorium.

1998 rollte die russische Hauptmilitärstaatsanwaltschaft den Fall Marckwardt auf. Das Fehlurteil wurde aufgehoben und Marckwardt am 25. Mai 1998 rehabilitiert. [...]

by Thomas Volgmann

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