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Sächsische Zeitung October 20/23, 2008

Exhibition intends to awake
Excerpt in German



Sächsische Zeitung, October 20, 2008

 

[...] Die Ausstellung erzählt erstmalig das Schicksal der fast 1000 Deutschen, die zwischen 1950 und 1953 von sowjetischen Militärgerichten zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet wurden. „Darunter sind auch 21 Menschen aus dem Kirchenbezirk Großenhain“, sagt Siegfried Behla von der Initiativgruppe Mahnmal. Diese Menschen waren für die Gruppe der Anlass, die Ausstellung hier einen Monat lang zu zeigen.

927 deutsche Opfer, unter ihnen 60 Frauen, liegen auf dem Moskauer Friedhof Donskoje. Einige sind wegen politischer Aktivitäten verurteilt worden, andere waren unpolitisch. 288 Opfer waren Jugendliche, zwischen 1925 und 1933 geboren. Ihnen wurde Kontakt zu westlichen Geheimdiensten, der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit oder den Ostbüros der CDU, FDP und der SPD in West-Berlin vorgeworfen. Die Dokumente, darunter zahlreiche Fotos, erzählen davon, wie diese Deutschen in die Hände sowjetischer Militärjustiz gerieten. Berichtet wird, dass sich Anfang der 50er Jahre die Auseinandersetzungen im Kalten Krieg verschärft hatten. „Das im Februar 1950 neu gebildete Ministerium für Staatssicherheit verfolgte jeden, der sich gegen das stalinistische Regime stellte“, zitiert Siegfried Behla eine Flyer. Viele stellten nach ihrer Verhaftung ein Gnadengesuch. Doch nur in wenigen Fällen wurde das Strafmaß in 25 Jahre Arbeitslager umgewandelt.

Die Großenhainer Initiativgruppe, die im Vorjahr ein Mahnmal mit Gedenkbüchern einweihte, ist an Information interessiert. „Die Anerkennung des Leides und das demütige Gedenken erfolgten zwar spät, zu spät ist es dafür aber nie“, sagt auch Superintendant Eckhard Klabunde. Es sei damit nicht die Absicht verbunden, leidvolle Ereignisse und Gewalttaten umzudeuten oder zu rechtfertigen. Wach gehalten werden sollen damit aber die schmerzlichen Erinnerungen.

 by Kathrin Krüger-Mlaouhia

 



Sächsische Zeitung, October 23, 2008

 

Das Großenhainer Gotteshaus bietet den bisher würdigsten Rahmen für die Ausstellung "Erschossen in Moskau...". Das sagte Frank Drauschke, einer der Macher, zur Eröffnung. Der Historiker aus Berlin stellte sehr ausführlich dar, unter welchen Umständen knapp tausend Deutsche Anfang der 50-er Jahre hingerichtet wurden - die größte damalige Ausländer-Gruppe der in Moskau Gestorbenen. Und wie es seit 2004 gelang, die Geschichte dieser Opfer zu erforschen.

21 Menschen aus dem Kirchenbezirk waren unter denen, die sterben mussten: Großenhainer, Glaubitzer, Riesaer, Nünchritzer, Gröditzer und Stehlaer. Ihre Namen wurden einzeln vorgelesen. Eine Frau war darunter, der Jüngste gerade 18, der Älteste über 50. Wie alle anderen auch sind sie mit Foto und Schicksal in der Ausstellung und dem dazugehörigen Totenbuch vertreten. Angehörige wie Anita Kott, Horst Wolf, Gerhard Rode, Maria Schenk waren gekommen und gedachten ihrer Lieben.

[...] Superindentant Eckhard Klabunde ist froh, die Ausstellung auf Initiative der IG Mahnmal zeigen zu können. Auch wenn es die Diskussion Opfer-Täter gibt, seien damals Unrechtsurteile und maßlose Strafen verhängt worden. Man könne dabei weder von Rechtsstaatlichkeit noch Verhältnismäßigkeit sprechen, so Klabunde. Die eigentliche Schlüsselfrage sei jedoch, wie Menschen dieses Unrecht hervorbringen oder zulassen konnten. Anhand der ausführlichen Dokumentation sollte nun vorrangig die junge Generation in der Marienkirche nach Antwort suchen."

 by K. Krüger-M.

 

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