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Märkische Oderzeitung, March 29, 2006

Ein Gnadengesuch reichte für 25 Jahre Arbeitslager


Excerpt in German

Mehr als 7000 Personen unterschiedlicher Nationalitäten sollen es nach Recherchen der Menschenrechtsorganisation Memorial gewesen sein, darunter - in den Jahren 1950 bis 1953 - fast 1000 Deutsche. Eine Ausstellung in der Thüringer Landesvertretung in Berlin nennt erstmals Namen, zeigt Fotos von Opfern, schildert Menschenschicksale, darunter das des Juristen Walter Linse aus West-Berlin, der spektakulär entführt wurde, oder auch das des Studentenführers Arno Esch. Die meisten Verhaftungen verliefen ohne öffentliche Aufmerksamkeit, Helfershelfer des sowjetischen Geheimdienstes waren Mitarbeiter des 1950 gebildeten Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, die als Volkspolizisten getarnt auftraten.

Die Anklage lautete in den meisten Fällen: antisowjetische Propaganda und Spionageverdacht. [...] Das Schicksal der rund 1000 Verschleppten aus Deutschland hat die russische Menschenrechtsorganisation "Memorial" gemeinsam mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Berliner Geschichtsforschungsinstitut "Facts & Files" aufgedeckt.

Endlich erfährt man Details über die Arbeit der Sowjetischen Militärtribunale. Sie waren fliegende Gerichte, das Urteil erfolgte handschriftlich, nicht zuletzt aus Geheimhaltungsgründen, der Häftling musste unterschreiben und durfte in der gleichen Nacht ein Gnadengesuch schreiben. Sieben Prozent der Gnadengesuche wurden positiv beschieden. Gnade bedeutete freilich: 25 Jahre Arbeitslager. [...]
 

by Peter Liebers

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