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Leipziger Volkszeitung, October 21, 2005

927 Deutsche in Moskauer Massengrab


Excerpt in German

[...] "Erschossen in Moskau" heißt ein Band, der heute auf der Frankfurter Buchmesse Premiere hat. Wissenschaftler der russischen Menschenrechtsorganisation Memrial International und des Forschungsinstituts Facts & Files in Berlin haben Archive in Russland und Deutschland durchforstet und sind auf 927 Namen gestoßen. "Es sind jene deutschen Opfer des Stalinismus, deren Überreste zwischen 1950 und 1953 auf dem Moskauer Friedhof Donskoje kamen", erklärt Jörg Rudolph, einer der Herausgeber.

Von Oktober 1947 bis April 1950 war in der Sowjetunion - und damit auch in ihrer Besatzungszone - die Todesstrafe offiziell ausgesetzt worden. Danach wurde sie in der UdSSR wieder eingeführt und gegen Deutsche bis 1953 angewendet. Dass die Besatzer in jener Zeit Menschen aus Deutschland nach Moskau brachten, um sie zu erschießen, sei Rechtsbruch gewesen, erläutert Rudolph. Zum einen hätte die DDR laut Verfassung keine Bürger ausliefern dürfen, zum andern wurden sie nach einem Gesetz verurteilt, das nur in der russischen Föderation galt. [...] Verdächtige wurden gezwungen, Geständnisse in russischer Sprache zu unterschreiben. Nach der Verurteilung ging es zur Haft in DDR-Gefängnisse, zur Zwangsarbeit in russische Lager oder zur Hinrichtung nach Moskau. Von den Gnadengesuchen der Todeskandidaten waren kaum acht Prozent erfolgreich. [...]

by Armin Götz

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