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Frankfurter Neue Presse, July 01, 2005

Gnadengesuch gnadenlos abgelehnt


Excerpt in German

[...] Ute Waterstraat ist drei Jahre alt, als ihr Vater am 28. August 1951 von zwei in Zivil getarnten Mitarbeitern der Ostdeutschen Polizei mit Waffengewalt aus der S-Bahn entführt wird. Er ist auf dem Weg zum Robert-Koch-Institut, wo er angestellt ist, führt eine fertige Forschungsarbeit mit sich, die er bald als Dissertation abgeben will. An diesem Tag verliert sich seine Spur. Ehefrau und Tochter warten vergeblich. Der Mann und Vater kehrt niemals zurück.
Der Arzt Wolfgang Waterstraat, 1920 in Stettin geboren, als Truppenarzt an der Ostfront eingesetzt, nach der Flucht vor der Roten Armee über die Ostsee später dann in Berlin ansässig geworden, gerät in die Fänge des russischen Geheimdienstes KGB. [...] Der als Bakteriologe beschäftigte Arzt behandelte TBC-Patienten aus West-, aber auch aus Ost-Berlin mit einem damals neuen Penizillinpräparat. Letzteren war der Besuch westlicher Ärzte verboten, zudem hatte die Ostbevölkerung kein Geld für die Behandlung. Waterstraat suchte seinerseits nach Spenden, damit er sie behandeln konnte. "Vermutlich ist er denunziert worden", sagt Ute Görge-Waterstraat. "Allein der Besuch eines Arztes im Westen konnte den Leuten als Spionage ausgelegt werden." [...]

Waterstraat wurde acht Monate nach der Inhaftierung in Moskau der Prozess gemacht. Die Anklage: Spionage, konterrevolutionäre Tätigkeit. Das Urteil: Tod durch Erschießen. Gnadengesuch: abgelehnt. [...]

Am 1. Juli wird auf dem Moskauer Donskoy-Friedhof ein Gedenkstein für 927 während des Kalten Krieges verschleppte und hingerichtete Deutsche eingeweiht.
 


by Martina Dreisbach

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