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Dresdner Neueste Nachrichten, June 7, 2006

"Verstorben auf dem Gebiet der UdSSR"


Der Dresdner Max Lipski war einer von 923 Deutschen, die zwischen 1950 und 1953 in Moskau hingerichtet wurden

Excerpt in German

Knickerbocker, gemeinsam rumtoben, Blaubeeren sammeln, schwimmen im Teich bei Oberwiesenthal. Daran erinnert sich Norbert Lipski, wenn er an seinen Vater denkt. Viel mehr ist es nicht. Er ist sieben, als der Vater am 13. Februar 1951 in einen Zug steigt nach Berlin, wo er nie ankommt. [...] Dass ihr Mann sich aus freien Stücken abgesetzt hat, daran glaubt Agnes Lipski nie. Also schreibt sie viele Briefe - auch an den Polizeipräsidenten, an Wilhelm Pieck, an Otto Grotewohl. Und sie bekommt immer die gleiche Antwort: Über den Verbleib von Max Lipski ist nichts bekannt. [...]

"Das Sowjetische Militärtribunal Nummer 48240 verurteilte Lipski am 29.5.1951 wegen angeblicher Spionage und antisowjetischer Propaganda zum Tode durch Erschießen. Das Präsidium des Obersten Sowjets lehnte sein Gnadengesuch am 19.7.1951 ab. Das Todesurteil wurde am 6.8.1951 in Moskau vollstreckt." So steht es nun in dem Buch "Erschossen in Moskau...", das die Schicksale von 927 Deutschen nachzeichnet, von denen 923 zwischen 1950 und 1953 in der Sowjetunion hingerichtet wurden - ohne einen fairen Prozess, ohne Chance sich zu wehren.

Ihre Leichen wurden im Krematorium des Moskauer Friedhofs Donskoje verbrannt, die Asche in einem Massengrab verscharrt. Das Buch, Ergebnis eines Forschungsprojekts des Berliner Historischen Instituts "Facts & Files" und der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial", erschienen in Herbst 2005, hat endlich einige der vielen Fragen beantwortet, die Norbert Lipsi ein Leben lang mit sich herumtrug. [...]

by Heidrun Hannusch

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