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100 Jahre Erster Weltkrieg
Bilder, Briefe, Erinnerungen

Pressemitteilung
Was haben eine lebensrettende Bibel, ein Kreuz in einer
Flasche und eine Postkarte von Hitler gemeinsam?


Das Internetportal Europeana.eu sammelt und veröffentlicht europaweit
außergewöhnliche und persönliche Erinnerungsstücke aus dem Ersten
Weltkrieg

Den Haag, 2. Mai 2012: Das Projekt Europeana 1914-18 veröffentlicht unbekannte persönliche Erinnerungsstücke aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Auf europaweiten Aktionstagen werden sie digitalisiert und online recherchierbar gemacht. Darunter befinden sich auch die Geschichten über eine lebensrettende Bibel und einen 100-jährigen, der den Ersten Weltkrieg miterlebte und aus erster Hand berichtete. Außerdem verrät eine Postkarte eines Gefreiten namens Adolf Hitler, dass der zukünftige Diktator nicht nur mit seinen Zähnen, sondern auch mit der deutschen Rechtschreibung Probleme hatte.  

In Vorbereitung auf den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges wurden bisher Aktionstage in Deutschland, England, Irland, Luxemburg, Slowenien und Dänemark durchgeführt. Wer persönliche Erinnerungsstücke an die Zeit zwischen 1914 und 1918 besitzt, kann diese bei den Aktionstagen von Experten begutachten und digitalisieren lassen. Auf der Projektwebseite Europeana 1914-1918 wird außerdem erklärt wie man selbst digitale Aufnahmen seiner Erinnerungsstücke machen und hochladen kann. Die Idee zu den Aktionstagen entstand auf Grund des Erfolgs des 2008 durchgeführten „Great War Archives“ Projektes der Oxford University.

Zweitausend Teilnehmer aller Altersklassen aus ganz Europa kamen bisher zu den Aktionstagen, um ihre Familiengeschichten zu erzählen und die Erinnerungsstücke digitalisieren zu lassen. Außerdem beteiligte sich auch eine große Zahl von Online-Usern. Insgesamt wurden mehr als 45.000 digitale Aufnahmen von Objekten, Briefen und Tagebüchern auf dem Webportal hochgeladen. Die meisten sind bisher weder außerhalb der Familien gezeigt, veröffentlicht oder erforscht worden.

Jill Cousins, Direktorin von Europeana, sagt dazu: „Der Erfolg des Projektes unterstreicht das große Interesse der Europäer an ihrer gemeinsamen Geschichte. Menschen gaben ihre Geschichten innerhalb der Familie weiter und haben mit Europeana eine Möglichkeit diese für zukünftige Generationen zu sichern und allseits zugänglich zu machen. Europeana ist ein neuartiger Zugang zur Kulturgeschichte, denn sie verbindet Familiengeschichten mit der offiziellen Erinnerung an das Kriegsgeschehen, das wir in den nationalen Bibliotheken und Archiven recherchieren können.“ 

Markus Geiler lud Aufnahmen der Bibel seines Großvaters hoch. In dieser steckt ein Splitter einer Granate, die die Kameraden seines Großvaters tötete während sie schliefen. Er sagte: „Deshalb bin ich stellvertretend hier, um zu zeigen wie eine Familiengeschichte praktisch in das kollektive Gedächtnis eingehen kann. Ich hoffe, dass es viele viele solche Geschichten geben wird und damit auch der europäische Gedanke weiter entwickelt und gefördert wird, indem man sich gemeinsam, kollektiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt und sich eben auch seine Geschichten erzählt.“

In Preston brachte Joan Almond, 85, ein getipptes Manuskript mit, das den Umgang ihres Vaters mit seinen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg dokumentiert. Es veranschaulicht, wie er mit dieser posttraumatischen Belastungsstörung umging, Jahrzehnte, bevor dies als Krankheit anerkannt wurde. In der Schlacht an der Somme wurde John Stafford schwer verletzt und es dauerte zwei Tage bis ihn alliierte Truppen fanden und durch das „Todestal“ trugen, damit er medizinisch versorgt werden konnte.

Joan sagte: „Ich denke, der Krieg verfolgte ihn sehr; das wird besonders deutlich, wenn man seine Erinnerungen liest. Meine Mutter ermutigte ihn ständig seine Erfahrungen niederzuschreiben und dies schien ihn zu beruhigen.“

Die Teilnahme von irischen Soldaten am Ersten Weltkrieg war lange Zeit politisch ein heikles Thema, deshalb sind sehr viele Geschichten bisher noch nicht bekannt. Das war ein Grund, warum der Dubliner Aktionstag der erfolgreichste in Europa war. Mehr als 600 Menschen kamen, einige standen sogar über mehrere Stunden Schlange, um ihre Erinnerungsstücke und Geschichten mitzuteilen. Eine davon ist eine Liebesgeschichte, die die Schwiegertochter von Joseph Heapes, Máire, erzählte. Joseph fand die Liebe seines Lebens während er Kriegsgefangener in Deutschland war.

Der 100-jährige Slavko Zupan aus Slowenien ist ein Teilnehmer, der von seinen unmittelbaren Erinnerungen an den Krieg berichten kann. Seine Begeisterung für das Projekt war so groß, dass er gleich zwei Mal den Aktionstag in Nova Gorica, Slowenien, besuchte. Um seine Kindheitserinnerung zu veranschaulichen, brachte Slavko eine Flasche mit einem reich dekorierten Holzkreuz mit, das ein russischer Kriegsgefangener in Slowenien geschaffen hatte. Da die russischen Kriegsgefangenen von einer mageren Lebensmittelration leben mussten, schufen sie Objekte dieser Art, um sie gegen Essen oder Zigaretten einzutauschen. Das Kreuz in der Flasche ist seit 1916 in Slavkos Familie. 

Beim Aktionstag in der Bayrischen Staatsbibliothek in München kam eine Postkarte zum Vorschein, die auf den ersten Blick wie eine von vielen Feldpostkarten aussieht, die von Soldaten verschickt wurden. Die Postkarte beschreibt den Zahnarztbesuch des Absenders sowie seinen Wunsch an die Front zurückzukehren. Der Soldat war Adolf Hitler, der im Dezember 1916 aus München an seinen Kameraden Karl Lanzhammer schrieb.

Der Direktor des Oxford University Computing Service, Dr. Stuart Lee, einer der Experten für Digitalisierung, der am Aktionstag in München teilnahm, erinnert sich an den Moment, als er das erste Mal Hitlers Postkarte in der Hand hielt: „Mir ist ein kalter Schauder über den Rücken gelaufen; Ich konnte kaum glauben, dass ich auf einer lokalen Veranstaltung, wo Geschichten von ganz normalen Menschen aufgenommen werden, ein bisher nicht bekanntes Dokument aus der eigenen Hand Hitlers zu sehen bekomme. Bemerkenswert am Europeana-Projekt ist, dass es einerseits die wichtigste Geschichte im Leben einer Person, wie zum Beispiel die Bibel, die ein Leben rettete, dokumentiert und andererseits auch die beiläufigen und falsch geschriebenen Notizen eines zukünftigen Diktators zu Tage fördert.“ 

Die Oxford University begleitete Europeana 1914-18 mit ihrem professionellen Sachverstand, organisierte die Schulung für die Aktionstage und unterstützte die Digitalisierung und Katalogisierung durch ihre Experten.

Geschichten in voller Länge; Bilder und Links in der PDF-Version.

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Jon Purday,
mob.: +44 (0) 7885 516234
jonathan.purday@bl.uk

Eleanor Kenny,
eleanor.kenny@bl.uk


Frank Drauschke,
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mob.: +49-163-4809862,
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