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Mitteldeutsche Zeitung vom 26.5.2007

Ein langer Weg zur Wahrheit

Adalbert Gehritz aus Halle verschwand in Moskau - Totenbuch gibt Aufschluss über ostdeutsche Stalin-Opfer

Auszug

[...] Jahrzehntelang wussten Hannes Gehritz und seine beiden Geschwister nicht genau, was mit ihrem Vater Adalbert Gehritz Anfang der fünfziger Jahre passiert war. Letzte Antworten für die Kinder des Postangestellten gab erst das Buch "Erschossen in Moskau. Die deutschen Opfer des Stalinismus".[...]

Sein Vater wurde 1950 als Sprengmeister in den Uranbergbau bei Johanngeorgenstadt zwangsverpflichtet, wo Stalin unter Hochdruck Uran für die ersten sowjetischen Atomwaffen abbauen ließ. Bis 1952 musste er dort arbeiten. "Zwischenzeitlich machte er Besuche bei uns und auch bei Bekannten in West-Berlin. Was er in Berlin tat, wussten wir nicht." Die Russen meinten zu wissen, was Adalbert Gehritz dort tat - westlichen Geheimdiensten über Truppenbewegungen der Roten Armee berichten und Kontakt zur "Vereinigung Politischer Flüchtlinge" pflegen. So jedenfalls lautete die Anklage, die ein sowjetisches Militärgericht später erheben sollte.[...]

Adalbert Gehritz, erschossen am 2. März 1953, ist einer von 927 Deutschen, die zwischen 1950 und 1953 von sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt wurden. [...]


von Steffen Drenkelfuss

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