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Totenbuch für deutsche Opfer des stalinistischen Terrors auf dem Moskauer Friedhof Donskoje

Pressemitteilung vom 9.3.2004


Memorial - Internationale Gesellschaft für Historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge Moskau und Facts & Files - Historisches Forschungsinstitut Berlin initiieren ein gemeinsames Forschungsprojekt zur Erarbeitung eines Gedenkbuches für die deutschen Opfer des stalinistischen Terrors auf dem Moskauer Friedhof Donskoje. Das Projekt wird von der Stiftung Aufarbeitung Berlin gefördert und inhaltlich unterstützt.

Auf dem Friedhof Donskoje im Südwesten Moskaus wurden seit den 30er Jahren die sterblichen Überreste von rund 7000 Opfern des stalinistischen Terrors verscharrt.

Memorial gelang es, durch jahrelange intensive Recherchen in russischen Archiven mehr als 5000 von ihnen namentlich zu benennen. Durch die Veröffentlichung von Gedenkbüchern sollen deren Namen dem Vergessen entrissen werden. Memorial wird im Jahr 2004 ein Gedenkbuch aller namentlich bekannten Opfer in russischer Sprache herausgeben.

Unter den bisher namentlich bekannten Opfern fanden sich mehr als 600 Deutsche, vermutlich sind aber auf dem Donskoje Friedhof insgesamt mehr als 1000 Deutsche begraben. Diese hatten entweder als Emigranten in der UdSSR Schutz vor dem nationalsozialistischen Terror gesucht oder waren bis zum Jahre 1953 in der SBZ/DDR verhaftet oder aus Westdeutschland verschleppt worden. Die meisten von ihnen wurden von einem geheimen sowjetischen Militärgericht wegen angeblicher "Spionage" oder "antisowjetischer Agitation und Propaganda" zum Tode verurteilt. Ihre Gnadengesuche erreichten Stalins Schreibtisch, doch Gehör fanden die wenigsten. Nach ihrer Exekution verbrannte man die Leichen im Krematorium von Donskoje und verscharrte die Asche anonym auf dem Friedhof.

Die politischen Umwälzungen in Osteuropa ermöglichten den Familien der Opfer die längst überfällige Rehabilitation für ihre Angehörigen bei der Obersten Russischen Militärstaatsanwaltschaft zu beantragen. Den letzten Ruheort ihrer Verwandten kennen die wenigsten und auch haben viele von ihnen noch keine endgültige Sicherheit über das Schicksal ihrer verschwundenen Angehörigen erlangt.

Die Partner dieses Forschungsprojektes werden eine umfassende Dokumentation zu den deutschen Opfern erarbeiten und deren Kurzbiographien im Jahre 2005 in einem Totenbuch in deutscher Sprache veröffentlichen.

Hierfür wird Memorial im Jahre 2004 die Arbeit in Moskauer Archiven fortsetzen, die Stiftung Aufarbeitung ihre vielfältigen Ressourcen einbringen und Facts & Files zusätzliche biographische Recherchen in Deutschland übernehmen. Gleichzeitig rufen die Organisatoren auf, sich bei Hinweisen zu Anfang der 50er Jahre aus Deutschland verschleppten Personen an einen der genannten Partner zu wenden.

Arsenij Roginskij
Memorial
Moskau

Jörg Rudolph
Facts & Files
Berlin

Dr. Anne Kaminsky
Stiftung Aufarbeitung
Berlin

Kontakt:
Memorial Internationale Gesellschaft für Historische Aufklärung, Menschenrechte und soziale Fürsorge - Malyi Karetnyi Pereulok 12, 127051 Moskau Tel: +7 95 209 7883 / Fax: +7 95 973 2094; zhemkova@memo.ru;
www.memo.ru

Facts & Files - Historisches Forschungsinstitut Berlin - Pestalozzistraße 38, 13187 Berlin Tel: +49 30 48098620 / Fax: +49 30 48098629; rudolph@factsandfiles.com; www.factsandfiles.com

Stiftung Aufarbeitung - Otto-Braun-Str. 70-72, 10178 Berlin Tel: +49 30 23247207 / Fax: +49 30 23247210; buero@stiftung-aufarbeitung.de; www.stiftung-aufarbeitung.de

 

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