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Hans Makarts Gemälde „Pappenheims Tod“ wird vom Wien Museum an die Enkel Herbert M. Gutmanns restituiert

Das Wien Museum wird am 31. März 2009 den Enkeln des deutschen Bankiers Herbert M. Gutmann (1879-1942) das Gemälde „Pappenheims Tod“ von Hans Makart übergeben, dessen unentgeltliche Übertragung vom Gemeinderat am 25. Juni 2008 einstimmig beschlossen worden war. Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und der Provenienzforscher der Museen der Stadt Wien, MMag Dr. Michael Wladika, werden das Gemälde dem Enkel Herbert M. Gutmanns und dem Rechtsanwalt der Familie Gutmann überreichen. Eine Pressekonferenz dazu wird am 31. März 2009 um 14.00 Uhr im Sitzungszimmer des Wien Museums, Karlsplatz stattfinden.

Herbert M. Gutmann wurde am 15. Oktober 1879 in Dresden geboren. Herbert M. Gutmanns Vater Eugen gründete im Jahr 1872 die Dresdner Bank AG. Herbert M. Gutmann war Vorstandsmitglied der Dresdner Bank und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Orientbank. Er hatte über dreißig Aufsichtsratsmandate für die Dresdner Bank inne. In seiner Berliner Wohnung und seinem Anwesen in Potsdam „Herbertshof“ sammelte Herbert M. Gutmann Gemälde Alter Meister, Werke des Rokoko, einige modernere Gemälde, Kunstgegenstände des Orients und Ostasiens, vor allem Porzellane.

Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland an die Macht kamen, änderte sich das Leben Herbert M. Gutmanns und seiner Familie für immer. Die jüdische Herkunft und Gutmanns politisches Engagement in der Weimarer Republik waren den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Da die Dresdner Bank unter staatlicher Kontrolle stand, übten die Nationalsozialisten bereits ab März 1933 entscheidenden Einfluss auf die Geschäftsführung der Bank aus. Man zwang Herbert M. Gutmann, die Aufsichtsräte einer Reihe von Unternehmen zu verlassen, die mit der Dresdner Bank eng verbunden waren. Außerdem kündigte die Bank ihm wegen seiner jüdischen Herkunft sämtliche Verträge und Vereinbarungen. Darüber hinaus befand die neu eingesetzte Geschäftsführung der Dresdner Bank, dass Herbert M. Gutmann der Bank Geld schulde. Angesichts dieser Situation war er gezwungen, sein Vermögen zu verkaufen.

Es gelang ihm, im Oktober 1936 Deutschland zu verlassen und er emigrierte nach Großbritannien. Herbert M. Gutmann erkrankte an Krebs und starb am 22. Dezember 1942 im englischen Paignton, Devon.

Das Gemälde Makarts ging durch mehrere Hände, bevor es durch das Wien Museum von einem Dänischen Sammler erworben wurde. Die Rückgabe des Gemäldes an seine Eigentümer markiert einen Meilenstein in der Restitutionsgeschichte Österreichs, weil sie die Dimension der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in ganz Europa zwischen Januar 1933 und April 1945 berücksichtigt.

Die Familie Herbert M. Gutmanns hofft, dass diese Entscheidung die weiteren anhängigen Restitutionsanträge zu Kunstgegenständen aus der Sammlung Gutmanns befördert.

 

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