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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29.5.2005

Erschossen in Moskau

In den fünfziger Jahren verschwanden etliche West-Berliner Studenten spurlos. Sie wurden in der Sowjetunion ermordet.

 

Auszug

 

[...] Militärische Militärtribunale verhängten in der DDR zu Beginn der fünziger Jahre mehr als tausend Todesurteile. Verurteilt wurden zumeist oppositionelle Mitglieder der CDU, der SPD und der LDP, die sich der Gleichschaltung ihrer Parteien widersetzt hatten, sowie andere politisch mißliebige Personen. Die konstruierten Anklagen lauteten in der Regel auf Spionage, Bandenbildung oder Waffenbesitz.

Nach jahrelangen Recherchen in russischen und deutschen Archiven ist es der Menschenrechtsorganisation "Memorial" und dem privaten Berliner Forschungsinstitut "Facts & Files" gelungen, die Schicksale von mehr als 900 der 1950 bis 1953 zum Tode verurteilten Deutschen aufzuklären. Nach der Strafverkündung durften diese Häftlinge ein Gnadengesuch einreichen, über das der Oberste Sowjet entschied. In neunzig Prozent der Fälle kam es zu keiner Begnadigung. Die Delinquenten wurden danach per Zug nach Moskau transportiert und in das beim Weißrussischen Bahnhof gelegene Butyrka-Gefängnis überstellt. Dort vollstreckte ein Erschießungskommando der Geheimpolizei noch in der gleichen Nacht das Urteil. Die Leichen der Hingerichteten kamen zur Einäscherung auf den Friedhof des früheren Klosters Donskoje. [...]

Von mehr als 900 dort beerdigten Deutschen stammten 39 aus dem Bundesgebiet und 112 aus West-Berlin. Darunter sind auch zehn 1951 und 1952 hingerichtete Studenten der Freien Universität Berlin beziehungsweise der Deutschen Hochschule für Politik.

 

Jochen Staadt




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