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Märkische Allgemeine Zeitung vom 18./19.3.2006

Erschossen in Moskau

Jörg Rudolph recherchierte Biografien von Stalinismus-Opfern

 

Auszug

 

Das Gedränge war am Donnerstagabend groß und der Vortragssaal der Gedenkstätte "Lindenstraße 54" überfüllt. "Erschossen in Moskau..." war das Thema und behandelte die Schicksale der zwischen 1950 und 1953 abgeurteilten rund 1000 deutschen Opfer des Stalinismus. [...]

200 dieser in Nacht- und Nebelaktionen Entführten kamen aus Brandenburg. Auch 23 Potsdamer verschwanden damals für die Familien nicht nachvollziehbar ohne jede Vorankündigung. [...] Zu den prominenten Opfern zählten der Potsdamer CDU-Oberbürgermeister Erwin Köhler und seine Frau Charlotte, die im Moskauer Butyrka-Gefängnis erschossen wurden, weil sie eigene Demokratievorstellungen geäußert hatten. [...] Die Todesurteile trafen Ärzte, Polizisten oder Arbeiter gleichermaßen. Allein 70 Bergleute der sowjetischen SDAG-Wismut, die den Uranabbau in der DDR an sich gerissen hatte, bezahlten ihre Hoffnungen auf einen sicheren, gut bezahlten Arbeitsplatz auch ohne Strahlenschäden mit dem Leben. [...]

Für viele gibt erst das jetzt vorliegende Buch mit seinen Biografien und Fotos der Opfer endgültig Auskunft über den Verbleib ihrer Angehörigen. Inzwischen hat die Russische Föderation die zu Unrecht Verurteilten rehabilitiert und auf dem Friedhof Donskoje einen Ehrenhain für die deutschen Opfer des Stalinismus angelegt. [...]

 

Lothar Krone




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